Ich bin nicht die Stimme!

 In März 2009, Therapie-Tagebuch

Wieder sehe ich keinen Erfolg. Kein Vorankommen, keine Ergebnisse, ich fühle mich immer noch extrem schlecht und möchte alles hinschmeißen. Meine Krankheit tobt und bestätigt mich darin, dass ich ein schlechter Mensch bin und dass ich keinerlei Hilfe verdient habe. Ich könne doch gleich nach Hause gehen.
Warum spüre ich noch nichts? Warum geht es mir noch kein bisschen besser? S. versucht mich heute zu beruhigen.

Schon so viele Jahre lebe ich mit meiner Stimme. Sie und ich sind eins geworden. Nie habe ich sie angezweifelt, alles habe ich ohne es zu reflektieren, übernommen.
Der erste Schritt in der Therapie ist es doch nun, mir bewusst zu machen, dass ich nicht die Stimme bin. Meine Krankheit ist die Stimme. Sie will mich besitzen. Sie kann nicht ohne mich leben.

Ich kann aber ohne sie leben. Ich muss sie bekämpfen und dann wäre ich wieder frei und gesund. Sie tut mir nicht gut. Nein, im Gegenteil. Sie beschämt mich, sie verletzt mich, sie vernichtet mich. Bevor dies passiert, muss ich sie vernichten.
Ich will wieder gesund werden.