Kontrolle (oder etwa nicht?)

 In März 2009, Therapie-Tagebuch

Ich soll heute mal ein Beispiel überlegen, in dem ich auch wieder mein subjektives Gefühl bestätigt habe und damit gegen mich gerichtet gehandelt habe.
Wenn ich so überlege, merke ich, dass ich immer so denke und mich auch fühle. Nun gut, ich soll ja ein Beispiel nennen. Wenn jemand mich beleidigt oder mich nicht ganz korrekt behandelt, dann habe ich sofort das Bedürfnis, mein Essen stärker zu kontrollieren oder überhaupt nichts mehr zu essen.

Gut, nun schauen wir mal, warum das so ist und besonders, ob es wirklich so sein muss: Ich (oder meine Krankheit) sind der festen Überzeugung, dass ich etwas kontrollieren will in dieser Situation. Da ich mich jedoch schwach fühle, ist das einzige, was ich kontrollieren kann, das Essen. Das ist meine Welt, in die keiner eintauchen kann oder keiner ein Mietspracherecht hat. Hier bin ich die Starke!

Ist das wirklich so? Bin ich hier stark? Habe ich es in der Hand?
Nein, realistisch (oder gesund) gesehen, bin ich eher schwach, wenn ich nicht esse. Warum sollte ich mich mit Essen oder nicht Essen bestrafen? Und noch schlimmer, ich kontrolliere hier nichts, das Essen und besonders diese Gedanken kontrollieren mich! Eigentlich sollte ich mir etwas Gutes tun und mich nicht auch noch in den negativen Gedanken bestätigen. Super, nun verlasse ich wieder komplett verwirrt die Therapie und habe mal wieder genügend Gedanken, die ich mit nach Hause nehme.