Leide ich etwa nicht genug?

 In März 2009, Therapie-Tagebuch

6 Uhr morgens und wieder eine schlaflose Nacht. Diesmal haben mich wieder nicht meine Kinder sondern meine eigenen Gedanken vom Schlafen abgehalten. Immer wieder bin ich aufgeschreckt und das Gedankenkarussell drehte sich schneller und schneller, ohne dass ich es stoppen konnte. Sicherlich hat es damit zu tun, dass ich gestern Abend eine DVD mit der Therapie nach Peggy Claude-Pierre gesehen habe. Es wurde damals in Kanada im Fernsehen ausgestrahlt und zeigt Peggys Therapieeinrichtungen, ihre Art der Therapie wurde erklärt und auch viele Betroffene wurden interviewt und ihr Weg aus dem Leiden dargestellt.
Es war ein kleines Wunder, zu sehen, wie es den Betroffenen nach und nach wieder besser ging und wie aus abgemagerten, sich selbst verachtenden Menschen wieder die liebenswerten und wunderschönen Menschen wurden, dies sie immer schon tief in ihrem Inneren waren.

Was hat es in mir ausgelöst? Selbstzweifel und Ängste bohren sich in mich. Ich möchte auch um alles in der Welt so eine Chance haben und wieder zu mir selber zurück finden. Doch meine Stimme ist noch so mächtig, dass sie mich an allem zweifeln lässt. Warum soll die Therapie dir helfen? Willst du deinen Platz nicht lieber jemandem anderen geben, der ihn auch wirklich verdient hat? Es kostet viel zu viel Geld. Du bist es nicht wert! Wirst du es je erreichen, wirklich nie mehr mit der Stimme zu leben? Wenn du dich nicht mehr mit dem Essen und Nichtessen beschäftigst, mit was willst du dich dann beschäftigen? Du hast doch nichts anderes auf der Welt!

Und dann willst du das einzige, was dir was bedeutet, auch noch loslassen! Du musst doch komplett verrückt sein! Während der Nacht, als ich immer wieder versucht habe, zu schlafen, habe ich mich wieder und wieder gefragt, warum ich gesund sein möchte. Was sind meine Beweggründe? Ich habe zwar wirklich einige Gründe gefunden, allerdings weiß ich sie nur rational, das heißt, ich fühle und spüre sie nicht. Warum nicht? Leide ich etwa nicht genug?