Meine Wochenende zu Hause

 In März 2009, Therapie-Tagebuch

Am Wochenende war ich zuhause, um meine Familie zu sehen. Diese 2 Tage waren furchtbar schwer für mich. Ich habe, wie ich es in der Therapie gelernt habe, alles aufgeschrieben. Zum einen habe ich meine Krankheit als Stimme aufgeschrieben und zum anderen habe ich versucht, die reale Stimme, also die gesunde Seite (die noch ziemlich theoretisch ist) aufzuschreiben.

Ich skizziere mal den Dialog:
Puh, ich fühle mich so extrem schwach. Seit ich zuhause bin, spüre ich so viele Probleme. Ich bin zu schwach, ich kann mich denen nicht stellen. Das schaffe ich nicht! Natürlich schaffst du das! Du bist im Moment nur zu müde, um die Dinge klar und verständlich zu sehen. Jetzt ist auch noch mein Koffer kaputt gegangen. Und weil es so stark geschneit hatte, war es sehr schwer, ein Taxi zu bekommen. Na und, du hast doch eins bekommen! Das war doch dann eher positiv!
Und das andere sind normale Alltagssorgen, die jeder Mensch hat. Nichts dramatisches!

Meine Kinder und mein Mann wollten nicht zu Mittag essen. Warum soll ich denn dann essen? Und dazu auch noch alleine? Dann brauche ich auch nichts!
Natürlich brauchst du was zu essen. Das ist nicht abhängig davon, ob die Anderen essen oder nicht. Du solltest auf dich und deine Bedürfnisse hören. Wenn die Anderen keinen Hunger haben, müssen sie nicht für dich essen. Sie werden schon selber an den Kühlschrank gehen, wenn es ihnen danach ist. Du aber nicht! Jetzt wollten auch meine Kinder keinen Mittagsschlaf machen. Ich schaff das alles nicht! Hier geht es nur um eine Kleinigkeit. Natürlich schaffst du das! Wo ist denn das Problem?

Ich sollte wirklich wieder „rückfällig“ werden und meine alte Struktur einführen. Dabei habe ich mich doch wohl gefühlt. Sie hat mir Sicherheit gegeben. Und was hab ich nun? Ich fühle mich alleine. Ich brauche einen Halt. Den kann mir aber nur die Krankheit geben! Das ist nicht wahr. Die Krankheit beherrscht dich. Sie vernichtet dich. Sie gibt dir keinen Halt. Das ist trügerisch. Es ist nur am Anfang schwer, gegen sie anzukämpfen. Je weiter du bist, desto besser und einfacher wird es. Such dir Hilfe. Ruf deine Therapeutin an, wenn du verzweifelst bist. Du bist es wert!